Erinnerung aus Kindertagen


Erinnerung aus Kindertagen

Unter einer alten Eisenbahnbrücke hängt er noch – der Kaugummi- und Süßigkeitenautomat meiner Kindheit. Jahrzehntelang stand er da, unbeachtet von den meisten, und doch war er für mich einmal ein kleines Tor zur Freiheit. Mit ein paar Pfennigen Taschengeld in der Tasche bin ich als Kind hierhergekommen, habe die Münze eingeworfen und gespannt am Griff gedreht, bis endlich die Kugel im Fach klapperte.

Heute, viele Jahre später, bin ich zufällig wieder vorbeigekommen. Ein kurzer Moment, und die Erinnerungen waren da – das Gefühl, die Aufregung, der Geschmack des Kaugummis. Vieles hat sich verändert, aber dieser Automat hängt immer noch an derselben Mauer, so trotzig und unscheinbar, als hätte die Zeit ihn einfach vergessen.

Ich wusste sofort: Jetzt muss ich ihn fotografieren. Nicht, weil er besonders schön wäre, sondern weil er ein Stück meiner eigenen Geschichte ist. Bald wird er wohl verschwunden sein, aber so bleibt wenigstens dieses Bild – ein kleines Denkmal an einfache Momente, die damals die Welt bedeuteten.

Beim genaueren Hinsehen entfaltet das Foto seine eigene Sprache: Dieser alte Kaugummiautomat wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, festgehalten an einer rauen, von den Jahren gezeichneten Mauer. Die Struktur der Mauer, mit ihren Flecken, Schatten und Ausblühungen, erzählt vom Vergehen der Zeit, während der Automat trotz Kratzern und Ausbleichungen fast trotzig hervorsticht. Das Rot wirkt wie ein letzter Rest von Lebendigkeit in einer ansonsten still gewordenen Szene. Genau dieser Kontrast zwischen Vergänglichkeit und Beharrlichkeit macht meiner Meinung  das Bild stark – es ist nicht nur Dokumentation, sondern auch ein stilles Symbol dafür, dass Erinnerungen überdauern, selbst wenn die Dinge irgendwann verschwinden.

 

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